Als wir unser Tiny House eingerichtet haben, war der Platz von Anfang an begrenzt — aber unsere Ansprüche an den Alltag nicht. Wir haben uns keine Regeln gesetzt und auch nicht nach den cleversten Pinterest-Lösungen gesucht. Stattdessen haben wir überlegt, was uns wirklich wichtig ist: eine Einrichtung, die funktioniert. Ohne Stress, ohne ständiges Umräumen. Hier teilen wir mit dir, was sich auf 36 m² über die Jahre bewährt hat — vielleicht hilft es dir beim Planen deines eigenen Tiny Houses.

Erst der Alltag, dann die Möbel

Bevor wir auch nur ein einziges Möbelstück ausgesucht haben, haben wir uns gefragt: Welche Abläufe brauchen wir jeden Tag? Wann stört uns was? Wann sind wir gleichzeitig zu Hause und gehen uns auf die Nerven, wenn der Raum es nicht hergibt?

Diese Fragen waren am Ende wichtiger als jeder Einrichtungstrend. Denn ein Möbelstück kann noch so durchdacht aussehen — wenn es deinen Alltag nicht trägt, steht es dir im Weg. Unser Tipp: Plane vom Tagesablauf her, nicht vom Katalog.

Fix statt faltbar — warum wir kaum etwas umbauen

Eines war uns von Anfang an wichtig: Wir wollten nicht ständig Möbel verschieben, nur um durch den Tag zu kommen. Kein Tisch, der erst aus der Wand geklappt werden muss, bevor du essen kannst. Kein Bett, das sich erst aus einem Sofa verwandeln muss. Kein Schreibtisch, der gleichzeitig Küche sein soll.

Bei uns steht deshalb fast alles fest an seinem Platz:

  • Der Esstisch steht immer bereit, mit zwei festen Stühlen.
  • Das Bett ist fix eingebaut — kein Hochbett, keine Klappkonstruktion.
  • Der Schreibtisch ist ein vollwertiger Arbeitsplatz und bleibt, wo er ist.

Klappmöbel wirken auf dem Papier clever, aber im Alltag nerven die kleinen Handgriffe irgendwann. Wer abends müde ist, will kein Bett aufbauen. Plane deine Möbel lieber so, dass sie dauerhaft nutzbar sind.

Höhe statt Fläche: Stauraum auf den zweiten Blick

Auf 36 m² ist der Boden schnell verplant. Was bleibt, ist die Höhe. Wir haben gelernt, vertikal zu denken: Regale bis unter die Decke, Haken an Wänden, Stauraum unter der Sitzbank und unter dem Bett. Tote Ecken, die sonst niemand nutzt, werden so zu echtem Stauraum.

Auch an der Wand lässt sich mehr holen, als man denkt — zum Beispiel mit einer hängenden Kleiderstange, die Platz schafft, ohne den Boden zu blockieren. Die Faustregel bei uns: Bevor etwas auf den Boden kommt, prüfen wir, ob es nicht auch nach oben geht.

Hängende Kleiderstange im Tiny House schafft Stauraum an der Wand

Zonen statt Wände — Erker, Schiebetür und Rückzugsorte

Unser Tiny House hat einen Wohnbereich und einen Erker. Genau dieser Erker ist unser Homeoffice, vom Wohnbereich mit einer Schiebetür getrennt. Das ist Gold wert: Eine Person kann arbeiten, während die andere im Wohnbereich entspannt oder telefoniert — ohne sich gegenseitig zu stören.

Auch unser Bett steht in diesem abgetrennten Bereich, der gleichzeitig als Ankleide dient. Weil wir oft nicht zur selben Zeit aufstehen oder ins Bett gehen, ist diese Trennung für uns ideal. Du brauchst dafür keine zusätzlichen Wände — eine Schiebetür oder eine bewusst gesetzte Nische macht aus einem offenen Raum mehrere Zonen.

Blick in den Erker: hängende Kleiderstange, Schreibtisch und viel Tageslicht

Licht, Spiegel, helle Flächen — damit klein nicht eng wirkt

Ein kleiner Raum muss sich nicht klein anfühlen. Den grössten Unterschied macht für uns das Licht. Grosse Fenster, freie Blickachsen nach draussen und helle Oberflächen lassen die 36 m² viel weiter wirken, als sie sind.

Unsere Chill-Ecke — ein fest eingebautes Sofa in der Rundung am Ende des Wohnbereichs — lebt genau davon: bequeme Kissen, viel Tageslicht und der Blick ins Grüne. Wenn das Auge nach draussen wandern kann, hört der Raum nicht an der Wand auf. Helle Töne und der gezielte Einsatz von Spiegeln verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Fest eingebautes Sofa im Tiny House mit viel Tageslicht und Blick nach draussen

Nur das Richtige mitgenommen

Als wir ins Tiny House gezogen sind, haben wir aus unserem alten Zuhause bewusst nur wenig mitgenommen. Nicht aus Prinzip, sondern weil das meiste schlicht nicht mehr gepasst hätte. Geblieben sind die Stücke, die wirklich zählen.

Etwas davon ist rein praktisch: ein schlichter IKEA-Schreibtisch, der seinen Job einfach macht und bis heute tut. Und dann ist da Sibylles Sideboard, das sie schon immer hatte. Es ist nicht „tiny-optimiert“, aber es gehört zu uns — und genau deshalb durfte es mit. Nicht alles im Tiny House muss neu und perfekt auf den Quadratmeter geplant sein. Manchmal ist das Vertraute mehr wert als die cleverste Speziallösung.

Fazit: weniger, aber das Richtige

Es lohnt sich, sehr genau zu überlegen, wie du auf wenig Platz leben willst. Welche Abläufe brauchst du täglich? Was stört dich? Was brauchst du wirklich? Wer hier ehrlich plant, spart sich später jeden Tag ein bisschen Energie — das ist die eigentliche Kunst beim Leben mit weniger.

Hol dir Inspiration, wo du kannst — aber arbeite mit einem Hersteller zusammen, der mitdenkt. Jemand, der nur „Ja“ sagt, hilft dir nicht weiter. Du brauchst jemanden, der hinterfragt und auch mal sagt: So wird das nichts.